Liebe mit Köpfchen

Dezember 3, 2007 at 2:19 (Autodidaktische Moral, Love Hacking) (, , )

An dieser Stelle möchte ich über ein Thema sprechen, das uns Allen, die wir Menschen sind, ganz besonders am Herzen liegt: Liebe. Wird ja auch langsam Zeit, dass sich mal ein Vernunftmensch dieser Sache annimmt und ein nutzbares System entwickelt
Ich werde in diesem Artikel zu Veranschaulichungszwecken etwas über meine persönlichen Wünsche und Bedürfnisse preisgeben, was allerdings bitte nicht als Gesuch zu verstehen ist. Es ist ferner so, dass die persönliche Erfahrung die wichtigste Grundlage für eine autodidaktische Philosophie darstellt.
Beziehungen, das steht für den Egozentriker fest, sind in erster Linie Liebe zu sich selbst. Sie entspringen dem Wunsch, diesem Ziehen in Leib und Schultern nachzugeben, das wir gemeinhin „Sehnsucht“ nennen und ist damit, wie sollte es anders sein, reine Bedürfnisbefriedigung.
Welcher Art diese Bedürfnisse sind, die uns dazu verleiten, Beziehungen einzugehen, mag von Person zu Person verschieden sein, doch immer erwarten wir irgendetwas von der anderen Person. Je nach dem, wie diese Bedürfnisse aussehen, wünschen wir uns verschiedene Fähigkeiten, die unser Traumpartner besitzen muss. Ich wünsche mir zum Beispiel Verständnis, weshalb mein Traumpartner ausreichend Intelligenz, Einfühlungsvermögen und eine gewisse Neigung zum Chaos besitzen muss, um mit mir und meinen chaotischen Gefühlen Schritt halten zu können. Stilvoll und menschlich wie ich bin, gibt es natürlich auch eine eine sexuell-ästhetische Komponente, die gestillt werden will: Feine, wohlgestaltete Körpermaße, ein schönes Gesicht und eine ansprechende Körpersprache gehören ebenso selbstverständlich zu den Grundvoraussetzungen, die eine Frau nach meinem Geschmack mit sich bringen muss, wie auch eine gewisse Sicherheit in den Gefühlen zu meiner Person.
Eigentlich habe ich mit dieser Auflistung bereits einen wichtigen Aspekt der Beziehungssystematisierung vorweggenommen. Der Vernunftmensch in seinem Streben nach Erkenntnis ist natürlich in seinem ganzen Wesen gewillt, seine eigenen Bedürfnisse klar zu erkennen. Wie sonst soll es ihm auch möglich sein, sie zu befrieden und das erreichen, was ihm sein Gefühl als sein persönliches Glück verkaufen möchte?
Selbst dem einfältigsten Geist dürfte es einleuchten, dass es für eine glückliche Beziehung unabdingbar ist, sich darüber im Klaren zu sein, welche Bedürfnisse er an eine Beziehung stellt. So erspart man sich doch die bittersten aller Enttäuschungen und gelangt deutlich zielsicherer zu seinem Glück.
So weit, so gut. Nun sollte sich selbst der verstockteste Egozentriker darüber im Klaren sein, dass zu einer funktionierenden Beziehung natürlich immer (von polyamorösen Umsetzungen einmal abgesehen) zwei gehören. Es reicht nunmal nicht aus, dass lediglich Einer glücklich ist. Nur ein in seinen Bedürfnissen befriedigter Beziehungspartner wird gewillt sein, die Beziehung langfristig fortzusetzen und nur ein solch befriedigter Partner ist überhaupt imstande, positive Resonanzen zu geben. Zudem wird er uns zu verstehen geben, dass unsere Fähigkeiten zur Befriedigung seiner Bedürfnisse hinreichend geschult sind – und das wiederum ist sehr gut für unser Selbstbewusstsein.
Also ist der Vernunftmensch um seines eigenen Glückes Willen bestrebt, auch die Bedürfnisse und Sehnsüchte des Partners zu erkennen und entsprechend zu befriedigen. Ein intensives Studium des Objekts der Begierde ist hier dringend anzuraten, praktischer Weise auch gern in Verbindung mit der Offenlegung der eigenen Bedürfnisse, damit der potentielle Partner imstande ist, diesen nachzukommen. Es ist hier tatsächlich nicht verkehrt, die ersten Kommunikationsversuche in beliebige Richtungen zu starten. Es braucht eigentlich nicht viel Hirn, um aus einfachen Aussagen einige Bedürfnisse herauszulesen. „Ich mag Katzen“ ist zum Beispiel eine unmissverständliche Bedürfnisäußerung. Die sollte man sich tunlichst einprägen, um später vielleicht etwas wie „Schau mal, ein Kätzchen“ sagen zu können. Denn ein katzenhassender Partner ( Wer will denn sowas?) wird diesen Satz höchstens in Verbindung mit „…wollen wir es anzünden?“ hören wollen.
Persönliche Themenbereiche vertiefen zu wollen, signalisiert Interesse, wie auch viele Kleingeister, die sich für unwiderstehlich halten, bereits gemerkt zu haben. Irrig sind sie jedoch in der Annahme, es ginge lediglich um jenes Signal, denn falsche Bedürfnisse zu signalisieren stellt eine eventuell folgende Beziehung auf eine sehr unbefriedigende Basis. Echtes Interesse ist hier angebracht und dem Forschergeist ist dies ohnehin zu eigen. Denn es wirkt nicht nur sympathisch, interessiert zu sein, es ist auch ungemein nützlich. Je mehr man über die andere Person in Erfahrung bringt, je näher man sie studiert, desto leichter wird es, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Es ist natürlich unabdingbar, nicht nur auf die bloßen Bedürfnisse zu horchen, sondern auch darauf, ob sie gestillt werden können – und entsprechend auch seinerseits Rückmeldungen zu geben.
Nach hinreichendem Studium der anderen Person und hinreichender Offenlegung der eigenen Persönlichkeit ist es dem Vernunftmenschen möglich, relativ genau abzuschätzen, ob die Bedürfnisse miteinander harmonieren und eine fruchtbare Beziehung daraus entstehen könnte, anders gesprochen: Man kann sich nun sicher sein, ob einem die eigenen Triebe einen Streich gespielt haben oder ob man es tatsächlich mit einem der eigenen Liebe würdigen Partner zu tun hat. Natürlich schadet es auch nicht, darauf zu achten, ob die andere Person die eigene Einschätzung teilt.
Der wohl schwierigste Teil der Partnerwahl besteht nun darin, ein weiteres eigenes Bedürfnis festzustellen: Die gewünschte Intensität der Beziehung. Eine eher oberflächliche Beziehung deckt nur wenige Bedürfnisse, eine eher tiefgreifende derer viele. Zunächst scheint es so, dass eine tiefgreifende einer oberflächlichen Beziehung vorzuziehen ist, da sie mehr Aussicht auf Glück verspricht und auch weniger ersetzlich ist.
Doch genau da liegt der Schwachpunkt tiefgreifender Beziehungen: Je essentieller die Bedürfnisbefriedigung, desto schwieriger ist ein zeitlich begrenzter Wegfall dieser Bedürfnisbefriedigung zu ertragen. Für beide Partner kann dies dann einen schweren emotionalen Schlag bedeuten, der nicht leicht zu verkraften ist. Diese Kausalität ist natürlich ein hohes Sicherheitsrisiko für die Beziehung und kann durchaus zur Folge haben, dass sie instabil wird.
Andererseits kann eine weniger intensive Beziehung dafür sorgen, dass sich beide Partner unbefriedigt fühlen und sich die Beziehung bald in Disharmonie auflöst. Schließlich sind die Bedürfnisse der Partner ja stets in ihnen enthalten und werden nicht erst durch die Beziehung ausgelöst. So mag es geschehen, dass sich ein Partner ihr Glück anderweitig sucht und sich der Andere natürlich entsprechend mies fühlt.
Nun mag ein unbedachter Egozentriker triumphierend verkünden, dass die Lösung dieses Problems darin bestünde, den Partner fester an sich zu ketten als man selbst in Ketten liegt. Nur so gelänge es, nicht selbst derjenige zu sein, der sich hinterher mies fühlt. Das aber, liebe Freunde der Wissenschaft, ist ein Trugschluss. Zwar wurde hier eine Kausalität richtig erkannt, doch die Lösung ist es auf keinen Fall. Denn diese Vorgehensweise würde bedeuten, dass man selbst einen Mehraufwand auf sich nimmt, um möglichst viele Bedürfnisse des Partners zu stillen und dafür wenig eigene Bedürfnisse befriedigt bekommt. Das wäre in etwa so als würde man für eine Rolle Toilettenpapier hundert Euro bezahlen. Das ist nicht nur unwirtschaftlich, das ist schlichtweg bescheuert. Da ist es doch besser, gleich auf das Preis-Leistungsverhältnis zu achten und sein Geld, bzw. seine Mühen, gescheiter zu investieren. Ein ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis gibt einer Beziehung das Adjektiv „symmetrisch“ – Man verkauft sich nicht unter Wert und bietet selbst genug, um für eine gewisse Stabilität zu sorgen. Daraus folgt, dass in einer vernünftigen Beziehung beide Partner gleich viel bekommen und damit auch gleich viel voneinander abhängig sind.
Wie viel Abhängigkeit gewünscht ist, wägt der Vernunftmensch anhand der der Quantität und der Qualität seiner Bedürfnisse ab. Je weniger Bedürfnisse überhaupt vorhanden sind, desto oberflächlicher darf eine Beziehung ausfallen, je mehr Bedürfnisse vorhanden sind, desto tiefgreifender muss sie ausfallen. Ein Mensch von hohem Intellekt und Geschmack ist sicherlich mit einer tiefgreifenderen Beziehung gut beraten, während sich der Kleingeist ruhigen Gewissens an einer oberflächlichen Beziehung genugtun darf.
An dieser Stelle möchte ich den Artikel, nicht jedoch weiterführende Gedanken, beenden mit einem Zitat von – wer hätte das geahnt – Friedrich Nietzsche:

„Haben Sie Lust, mein Schicksal zu sein?“

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